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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Musik

#KlangContraCorona 1

16.03 - 30.06.2020

Musikalische Leckerbissen auf Facebook und auf der Homepage (Teil 1–35)

Teil 36–60: HIER
Teil 60 ff.: HIER

So lange das Coronavirus alle Veranstaltungen verhindert, versorgen wir euch digital mit musikalischen Leckerbissen aus Polen.

Inhalt:

1 / Hańba
2 / Julia Marcell
3 / Happysad
4 / Kwiat Jabłoni
5 / Mata
6 / Sonbird
7 / Ich Troje
8 / Dawid Podsiadło
9 / Lao Che
10 / Oreada
11 / Armia
12 / Alicja Szemplińska
13 / Phedora
14 / Krzysztof Penderecki (zum Tod am 29.03.2020)
15 / Percival Schuttenbach
16 / Domowe Melodie
17 / Gromee
18 / Big Cyc
19 / Apollon Musagète Quartet
20 / HuRaban
21 / Taco Hemingway
22 / Warszawska Orkiestra Sentymentalna
23 / Pidżama Porno
24 / Ralph Kaminski
25 / Tulia
26 / Hania Rani
27 / Monika Brodka
28 / Atom String Quartet
29 / Babooshki
30 / Męskie Granie Orkiestra
31 / The Dumplings
32 / PRO8L3M
33 / Skampararas
34 / Sidney Polak
35 / NeoKlez
36 ff. / >> #KlangContraCorona 2



Nr. 1 / 16.03.2020
HAŃBA!
Bereits seit 2013 ist keine Straßenecke vor dem Quartett sicher, denn mit Banjo, Akkordeon, Trommel, Klarinette und Tuba sind sie auf keine Steckdosen angewiesen und bringen mit einem wilden Mix aus Roots, Klezmer und einer satten Portion Punk jedes Tanzbein zum Schwingen. Ihre Vorbilder liegen dabei eindeutig in den Zwanziger- und Dreißigerjahren des 20. Jh. und auch vor Texten von Klassikern wie Julian Tuwim, Jan Brzechwa oder Władysław Broniewski schrecken sie nicht zurück.
>> hanba1926.pl
Hier findet ihr die Aufzeichnung eines kompletten Straßenkonzerts:



Nr. 2 / 17.03.2020
JULIA MARCELL
Julia Marcell heißt eigentlich Julia Górniewicz und kommt aus Olsztyn, lebt aber schon seit langer Zeit in Deutschland. Das Geld für ihr erstes Album kratzte sie 2007 per Crowdfunding zusammen, um es von Moses Schneider (u.a. Tocotronic & Beatsteaks) produzieren lassen zu können. Inzwischen ist ihr fünftes Album „Skull Echo“ erschienen und zeigt erneut, dass man hörbaren Pop mit Tanzflächenappeal machen kann, ohne das Hirn auszuschalten oder an Persönlichkeit einzubüßen.



Nr. 3 / 18.03.2020
HAPPYSAD
Die Band entstand offiziell 2001, auch wenn die Musiker schon vorher miteinander zu tun hatten. In knapp 20 Jahren Bandgeschichte entwickelten sie sich zu einem Klassiker, der generationsübergreifend alte und junge Hörer begeistert. Ihr bekanntester Song „Zanim pójdę“ (Bevor ich gehe, 2009) hat auf YouTube knapp 34 Millionen Views – das ist nur geringfügig weniger als Polen Einwohner hat! Aber lasst euch doch selbst mitreißen und treibt die Klickzahl noch etwas höher.

Nr. 4 / 19.03.2020
KWIAT JABŁONI
Kwiat Jabłoni (Apfelblüte), das sind die Geschwister Kasia und Jacek Sienkiewicz. Ihr musikalisches Abenteuer begann im fünfköpfigen (!) Hollow Quartet, auch wenn Musik bei ihnen zu Hause schon immer eine große Rolle spielte. Am Ende beschlossen sie, ihr eigenes, familiäres Folk-Pop-Projekt Kwiat Jabłoni auf die Beine zu stellen, in dem sie Klavier, Mandoline, Gesang und elektronische Sounds vereinigen. Im vergangenen Jahr erschien ihr Debüt „Niemożliwe“ (Unmöglich), auf dem ihr auch ihren Erfolgs-Song „Dziś późno pójdę spać“ (Heute gehe ich spät ins Bett) findet.


Nr. 5 / 20.03.2020
MATA
Michał Matczak, besser bekannt unter dem Namen Mata, ist gerade mal schlanke 19 Jahre alt und startete im Dezember 2019 mit seinem hochkontroversen Hiphop-Track „Patointeligencja“ (Patho-Intelligenz) massiv durch. Darin widmet er sich diversen unsichtbaren Problemen der polnischen Jugendlichen aus besserem Hause wie Suchtkrankheiten und Teenie-Schwangerschaften. Einerseits ist das Stück hochemotional, andererseits auch sprachlich spannend – es spiegelt den Jugendslang voller Abkürzungen und Anglizismen und zeigt damit auch, dass Mata ein echter Wortkünstler ist.

Nr. 6 / 21.03.2020
SONBIRD
Die vier noch relativ jungen Spunde von Sonbird kommen aus der Bierstadt Żywiec und haben sich dem Indie/Art Rock verschrieben. Ihr Debütalbum „Głodny“ (Hungrig) erschien im vergangenen Jahr und eroberte die Herzen der Fans im Sturm. Im Repertoire haben sie sowohl energiegeladene Uptempo-Stücke als auch lyrische Balladen. Das erweist sich vor allem bei Livekonzerten als exzellente Mischung, mit der sie auf magische Weise das Publikum in ihren Bann ziehen und anschließend für ordentlich Muskelkater sorgen. Ihre rockige Seite könnt ihr im Clip „Niepoważny“ (Leichtsinnig) kennen lernen.



Nr. 7 / 22.03.2020
ICH TROJE
Ich Troje bespielen in wechselnden Besetzungen schon seit den Neunzigerjahren die Bühnen Polens und ihre Hits können inzwischen mehrere Generationen auswendig mitsingen. Rotschopf Michał Wiśniewski und seine Mitstreiter/innen versuchten 2003 sogar, mit dem deutsch-polnisch-russischen Lied „Keine Grenzen / Żadnych granic“ den Eurovision Song Contest zu gewinnen. Aber nicht jeder weiß, dass manche Stücke aus ihrem Repertoire nicht von Ich Troje stammen. Beispielsweise dürfte der äußerst erfolgreiche Song „A wszystko to … (bo ciebie kocham)“ vielen deutschen Hörern sehr bekannt vorkommen. Richtig hingehört? Ja, es handelt sich tatsächlich um ein Cover von „Alles aus Liebe“ von den Toten Hosen, das sechs Jahre nach dem Original erschien und in Text und Instrumentierung der Vorlage sehr nahe kommt. Vergleicht doch selbst!



Nr. 8 / 23.03.2020
DAWID PODSIADŁO
Dawid Podsiadło war ein unbekannter, bescheidener Junge, bis er durch den Sieg in der TV-Show „The X Factor“ plötzlich berühmt wurde. Heute gehört er zu den populärsten Playern im polnischen Rock/Pop-Business. Nicht wenige prophezeiten ihm exzellente Chancen auf eine Karriere im Ausland, aber er entschied sich dafür, in seiner Heimat zu bleiben und auf Polnisch zu singen. Podsiadło besticht vor allem durch seine Authentizität – er schreibt seine Songs nach wie vor selbst und singt über das, was ihn bewegt. Sein jüngstes Album „Małomiasteczkowy“ (Kleinstädtisch) beschreibt das Verlassen der Provinz. Es handelt aber auch von einem Künstler, der schwer mit seiner Berühmtheit zurecht kommt. Das Video des Titelsongs zeigt symbolhaft die Entfremdung und macht nebenher noch subtil Werbung für gesunde Luft durch ausreichend Bäume.

Nr. 9 / 24.03.2020
LAO CHE
Die Alternative/Crossover-Band Lao Che aus dem mittelpolnischen Płock ging 1999 aus dem Vorgänger Koli hervor, entlieh ihren Namen von einer "Indiana Jones"-Nebenfigur und mauserte sich mit acht – stilistisch sehr unterschiedlichen – Alben zu einem der populärsten Acts der polnischen Indie-Szene. Der Durchbruch gelang den Jungs 2005 mit ihrem Konzeptalbum „Powstanie Warszawskie“ über den Warschauer Aufstand. Anschließend experimentierten sie sich munter durch diverse Spielarten der intelligenten alternativen Rock- und Popmusik und landeten damit verlässlich auf vorderen Chart-Positionen. Ende 2019 gaben sie bekannt, dass sie ihre Tätigkeit einstellen und sich 2020 mit einer Tour von den Fans verabschieden werden. Zumindest von ihrem charismatischen Frontmann Hubert Dobaczewski wird man aber mit Sicherheit noch einiges hören.

Nr. 10 / 25.03.2020
OREADA
Die fünfköpfige Band Oreada verbindet klassische Folk-Atmosphäre mit schweren Gitarren und schnellen Beats. Damit schraubt sie sich ohne Umwege auf direktem Weg in die Gehörgänge. Ihre Inspirationen bezieht sie dabei aus der Natur, dem ländlichen Leben und dem menschlichen Dasein an sich. Ihr Debütalbum „Mówili mi ludzie“ (Die Leute haben mir gesagt) erblickte soeben das Licht der Welt. Und was sagt die Band über sich selbst? „Oreada kommt vom Dorf und macht einfach Musik!“

Nr. 11 / 26.03.2020
ARMIA
Zu ihrer Gründung 1984 bewegten sich Armia als oppositionelle Punkband noch tief im Untergrund, sind dort aber nicht lange geblieben. Schon vor 1989 avancierten sie zu einem der wichtigsten Vertreter des Genres und starteten nach dem politischen Umbruch mit auch außerhalb ihrer Szene richtig durch. Dreh- und Angelpunkt ist nach dem Weggang der Punk-Legende Robert Brylewski Sänger und Gründungsmitglied Tomasz Budzyński. Markenzeichen der Band ist neben schweren Gitarren, rüdem Gesang und Folk-Anleihen (u.a. mit Waldhorn und Flöte) vor allem die thematische Bandbreite ihrer poetisch angehauchten Songtexte – polnische Geschichte, Fantasy-Motive, slawische Legenden und vor allem christliche Inhalte hinterließen ihre Spuren. Ihr Song „Jeszcze raz, jeszcze dziś“ (Noch einmal, noch heute) entstand zum 600. Jahrestag der Schlacht bei Grunwald im Auftrag des polnischen Kulturministeriums.

Nr. 12 / 27.03.2020
ALICJA SZEMPLIŃSKA
Der Eurovision Song Contest 2020 hätte ihr internationaler Durchbruch werden sollen. Die 17 Jahre junge Gymnasiastin Alicja Szemplińska aus Ciechanów konnte bereits die Casting-Shows „Hit, Hit, Hurra!“ (2016) und „The Voice of Poland“ (2019) für sich entscheiden, bevor sie sich mit Coversongs von Edyta Górniak und Loreen sowie ihrem eigenen Lied „Empires“ im nationalen ESC-Vorausscheid durchsetzte. Leider wurde die größte TV-Musikshow der Welt für dieses Jahr abgesagt und wir müssen uns in Geduld üben. Bis sie endlich die große europäische Bühne betreten darf, geht Alicja erst einmal ins Studio zurück und nimmt neue Songs auf, denn bisher erschienen lediglich zwei Singles. Und beim ESC 2021 ist sie dann vielleicht keine Newcomerin mehr.



Nr. 13 / 28.03.2020
PHEDORA
Dass Phedora aus Polen stammen, hört man ihnen nicht an, denn sie singen konsequent auf Englisch und ihr alternativer Hardrock ist ebenfalls westlich orientiert. Und auch wenn sie das Rad nicht neu erfinden, haben sie doch ihr eigenes Markenzeichen – beide bisher erschienenen Alben sind Konzeptalben. Sie laden also dazu ein, auch in fragmentierten Spotify-Zeiten die Alben ganz klassisch von vorne nach hinten zu hören, der Geschichte des Helden zu folgen und dabei zu spüren, wie sich mit ihm auch die Musik vom heftigen Rock zu eher ruhigen, lyrischen Klängen verändert.
>> www.facebook.com/phedoraband



Nr. 14 / 29.03.2020
KRZYSZTOF PENDERECKI
Krzysztof Penderecki, geboren 1933 in Dębica, nahm bereits früh Klavier- und Violinenunterricht, bevor er in Kraków Philosophie, Kunst- und Literaturgeschichte studierte. Seine Karriere als Komponist begann er in den Sechzigerjahren als Avantgardist, damals experimentierte er u.a. mit den Möglichkeiten elektroakustischer Klangerzeugung. Später wandte er sich Spätromantik und Expressionismus zu, was ihm weltweit große Popularität bescherte. Penderecki schrieb Vokal- und Instrumentalmusik für große und kleine Besetzungen, er verfasste auch fünf Opern – darunter eine für Kinder. Darüber hinaus war er  15 Jahre lang Rektor der Musikakademie Kraków. Immer wieder wurde er eingeladen, als Gast seine Werke zu dirigieren oder (z.B. für den Leipziger Thomanerchor) Auftragswerke zu verfassen. Seine Musik diente auch als Soundtrack für Filme, so für Andrzej Wajdas „Katyń“, Martin Scorseses „Shutter Island“ oder David Lynchs „Wild at Heart“. In seinem Heimatort Lusławice legte er nicht nur ein Arboretum mit mehreren Tausend Baumsorten an, sondern ließ auch ein hochmodernes Europäisches Musikzentrum bauen, das vor allem der Nachwuchsförderung dient. Der deutsche Dokumentarfilm „Wege durchs Labyrinth“ (2013) von Anna Schmidt porträtiert den Mann, der vom Guardian als „vermutlich größter lebender polnischer Komponist“ bezeichnet wurde. Penderecki starb am 29. März 2020.



Nr. 15 / 30.03.2020
PERCIVAL SCHUTTENBACH
Was 1999 in Lubin begann, sind inzwischen – in wechselnden Besetzungen – genau genommen drei Bands. Unter dem Namen Percival Schuttenbach wird ordentlich Krach gemacht und dem skandinavisch inspirierten Folk Metal gefrönt, während das Quartett unter dem Namen "Percival" ausschließlich akustische Klänge fabriziert, in denen jede Menge slawisches Mittelalter durchschimmert. Und dann ist da schlussendlich das Projekt „Percival – Wild Hunt Live“, das auch den Namen erklärt: Percival Schuttenbach ist eine Figur aus Andrzej Sapkowskis Romanen der „Wiedźmin / The Witcher“-Reihe und nicht ganz zufällig wurde die Band eingeladen, den Soundtrack zum Weltbeststeller-Computerspiel „The Witcher 3: Wild Hunt“ einzuspielen. Damit steht einer Weltkarriere wohl nichts mehr im Wege. Kürzlich gab die Band für ihre zu Hause festsitzenden Fans ein komplettes Exklusiv-Doppelkonzert im Internet (www.youtube.com/watch?v=fAsa_fs7yb8 / www.youtube.com/watch?v=vtTMXNwAAGU).
 


Nr. 16 / 31.03.2020
DOMOWE MELODIE
Die dreiköpfige Band Domowe Melodie wurde vermutlich von ihrem großen Erfolg im Internet selbst überrumpelt. Dabei passen sie seit 2012 in keine Schublade so richtig: ein bisschen Folk, ein bisschen Alternative, ein bisschen Chanson, eine Prise Pop sowie ein Schuss Kabarett kennzeichnen ihre Lieder. Vor allem besticht das Auftreten der Band durch seine große Natürlichkeit – ganz ohne aufwändige Outfits, professionelle Clips und opulente Instrumentierungen eroberten sie die Herzen der Zuhörerschaft im Sturm. Leider ist die kurzweilige musikalische Spritztour seit 2018 schon wieder vorbei, aber ihre unprätentiösen Lieder bleiben uns erhalten.



Nr. 17 / 01.04.2020
GROMEE
Der Plus-Size-Brillen-Träger mit Hut namens Gromee, Jahrgang 1978, hat im Pass eigentlich den Namen Andrzej Gromala stehen. Der DJ, Produzent, Remixer und Gründer des Labels Kingztown Music ist seit 2011 im Bereich der elektronischen Musik unterwegs und hat sich der populären, eingängigen Spielart EDM (Electronic Dance Music) verschrieben. Seit 2016 ist der international bestens vernetzte Musiker bei Sony unter Vertrag. Da er 2018 den nationalen Vorausscheid zum Eurovision Song Contest gewinnen konnte, darf er sich stolz als „erster DJ in der Geschichte des ESC“ bezeichnen. Sein erstes und bisher einziges Album „Chapter One“ (2018) erreichte in Polen Goldstatus.
>> www.gromeeofficial.com



Nr. 18 / 02.04.2020
BIG CYC
Wenn man nach einer Definition für „gesellschaftlich engagierten Fun-Rock in Polen“ sucht, ist man bei Big Cyc mit Sicherheit an der richtigen Adresse. Seit 1988 tobt sich der Sechser aus Łódź anfänglich im Punk, später zunehmend im poppigen Hard-/Rock und Ska aus und setzt dabei auf eingängige Songs, welche den Hörer nicht überfordern, sich dafür aber ohne Umwege ins Ohr bohren. Aber sie verleugnen ihre Wurzeln nicht und brachten z.B. zum 30. Jahrestag der Einführung des Kriegsrechts das Album „Zadzwońcie po milicję!“ (Ruft die Miliz!) mit Songs von zensierten Bands der Achtzigerjahre heraus. Auch für Happenings sind sie sich nicht zu schade. Die bissig-satirischen Texte des Bandleaders Krzysztof Skiba sind immer wieder kontrovers, weshalb die Gruppe nicht nur Freunde hat. Das Stück „Facet to świnia“ kommt euch bekannt vor? Kein Wunder, denn hier haben Big Cyc offensichtlich versucht, das Hitpotenzial von „Männer sind Schweine“ von Die Ärzte ins Polnische zu übersetzen. Die Übersetzung ist nicht wirklich originalgetreu, die Musik dafür sehr.



Nr. 19 / 03.04.2020
APOLLON MUSAGÈTE QUARTET
E oder U? Die Frage stellt sich für die vier Musiker des Apollon Musagète Quartet gar nicht, denn sie sind gleichermaßen im ernsten und unterhaltenden Genre zu Hause. Mit ihrer klassischen Besetzung aus zwei Violinen, Bratsche und Cello spielen sie mit Brillanz und Ausdruckskraft die klassische und moderne Konzertliteratur für diese Ensembleform, vorzugsweise von polnischen Komponisten. Einige Stücke wurden speziell für sie geschrieben. Das Ensemble fand 2006 in Wien zusammen, besteht aber ausschließlich aus Polen. In seinem Namen bezieht es sich sowohl auf ein Ballett von Igor Strawinsky als auch auf den Musengott Apollon. Der Sieg im Musikwettbewerb der ARD 2008 öffnete ihnen die Türen zu den renommierten Konzertsälen der Welt, zahlreiche weitere Preise folgten. Aber auch poppige Klänge sind dem Quartett nicht fremd. Wie frisch und mitreißend akustische Kammermusik auf Streichinstrumenten auch auf großen Bühnen klingen kann, zeigt dieser Live-Mitschnitt des Stücks „A Multitude of Shades“, das mit seinen Anfangsbuchstaben nicht zufällig auf den Nachnahmen der Musikerin Tori Amos anspielt, mit der sie das Album „Night of Hunters“ einspielten.
>> www.apollon-musagete.com



Nr. 20 / 04.04.2020
HURABAN
Das Trio HuRaban aus Niederschlesien rührt in seiner Musik ein buntes Gemisch aus Versatzstücken, Stilen und Einflüssen aus aller Herren Länder zusammen, das mit Begriffen wie „Folk“ oder „Weltmusik“ nur ansatzweise zu beschreiben ist. es ist schwer zu glauben, dass nur drei Musikerinnen am Werk sind, denn gemeinsam kreieren sie einen satten, kraftvollen und energiegeladenen Sound, der durchaus auch einem kleinen Orchester zur Ehre gereichen würde. Dabei kommen neben bekannten Instrumenten auch seltene Klangerzeuger wie Gitalele, Riq, Darbuka, Kamantsche, Rahmentrommel, orientalische Flöten und sogar Kochtöpfe zum Einsatz. Ihre Inspirationen kommen vom Balkan ebenso wie von bulgarischen Frauenchören, Flamenco, jüdischer Musik und der kapverdischen Morna. Die unfreiwillige Corona-Pause nutzen die Damen übrigens, um ein neues Album einzuspielen.



Nr. 21 / 05.04.2020
TACO HEMINGWAY
Taco Hemingway gehört zu den populärsten und verkaufsstärksten Rappern Polens. In seinen Tracks konzentriert er sich auf das Storytelling – er beschreibt die Wirklichkeit, die ihn umgibt. Dabei rappt er nicht nur, sondern singt auch – gelegentlich mit Auto-Tune-Unterstützung – und bedient sich dabei so geschickt verschiedener Genres, dass seine Musik auch Menschen gefällt, die nicht zur klassischen Hiphop-Zielgruppe gehören. Man hört Hemingway gelegentlich auch im Duett mit den Rapper Quebonafide, gemeinsam verschmelzen sie zum Projekt Taconafide, das u.a. den Hit „Tamagotchi“ (www.youtube.com/watch?v=odWxQ5eEnfE) produzierte. Ihr wollt mal reinhören? Kein Problem, auf seiner Homepage könnt ihr Tacos Platten kostenlos herunterladen.


 
Es klingt ziemlich alt, was die sieben jungen Leute des Warszawska Orkiestra Sentymentalna da seit 2015 u.a. mit Trompete, Vibraphon, Banjo, Mandoline, Klarinette, Bass und Schlagwerk fabrizieren. Kein Wunder, das Repertoire stammt ja auch aus dem Zwanziger- und Dreißigerjahren des vergangenen Jahrhunderts. Im Gegensatz zu vergleichbaren Projekten wird hier jedoch nicht wild drauflos modernisiert, sondern die Gassenhauer von Wiera Gran, Adam Aston oder Mieczysław Fogg bleiben in ihrer Grundstruktur erhalten und werden nur dezent aufgefrischt. Auf bereits vier Alben buddelt das Kammerorchester respektvoll 100 Jahre altes Liedgut der Warschauer Cafés und Ballhäuser aus und lässt es so frisch klingen, als ob es gestern geschrieben worden wäre.



Nr. 23 / 07.04.2020
PIDŻAMA PORNO
Pidżama Porno wären vermutlich eine von unzähligen polnischen Bands, die irgendwann in den Achtzigerjahren im Punk-Underground entstanden, sich dann in den Neunzigern kontinuierlich nach oben spielten und es irgendwie geschafft haben, dank nachwachsender Fans bis heute zu überleben. Aber die Band hat neben ihrem grandios trashigen Namen noch einen weiteren riesigen Trumpf im Ärmel: ihren Sänger Krzysztof „Grabaż“ Grabowski. Der passionierte Zylinder-Träger ist zwar – typisch Punk – weder ein begnadeter Sänger noch ein herausragender Bühnen-Akteur, dafür aber ein Dichter, dessen Texte auch ohne musikalische Begleitung immer noch druckreife Lyrik sind. Leider sind die anspielungsreichen Lyrics schwer zu übersetzen, weshalb Polen immer Dreh- und Angelpunkt war, wie das Stück „Hokejowy zamek“ wiederholt belegt. Ab 2007 war die Band inaktiv und drohte durch Grabażs erfolgreiche Nebenprojekte wie Strachy na Lachy verdrängt zu werden. 2019 meldete sie sich aber mit dem neuen Album „Sprzedawca jutra“ (Verkäufer von Morgen) lautstark zurück.



Nr. 24 / 08.04.2020
RALPH KAMINSKI
Ralph Kamiński (eigentlich Rafał Stanisław Kamiński, Jahrgang 1990) ist ein bunter Vogel in der polnischen Musikszene, der niemanden gleichgültig lässt. Er schreibt kluge, emotionale Texte und komponiert dazu Musik, die an der Grenze von alternativem Pop und Kammermusik angesiedelt ist. Auch Spuren von Chanson und Oper kann man darin entdecken. Das wird ergänzt von der künstlerisch angehauchten visuellen Ebene, wozu auch Ralphs Perücke gehört, welche das schlicht gezeichnet das Cover seines zweiten Albums „Młodość“ (Jugend, 2019) ziert.

 
25 / 09.04.2020
TULIA
Die Idee war so naheliegend, dass sie irgendwann jemand haben musste: Pop machen, das Ganze aber in eine Hülle aus Folklore verpacken und entsprechend bebildern. Genau das haben Tulia aus Szczecin 2017 gemacht und sind gleich mit ihrer ersten Einspielung – „Enjoy The Silence“ von Depeche Mode – durch die Decke gegangen. Als polnische Vertreter beim Eurovision Song Contest 2019 wurden sie international bekannt. Die ursprünglich vier (heute noch drei) Damen bedienen sich der im östlichen Europa tradierten sog. weißen Stimme und traditioneller Instrumente wie Suka und Leier, kleiden sich in volkstümliche Kleider (die originellerweise gar nicht aus ihrer Region stammen) und drehen ihre Videos in ländlicher Umgebung. Aber die Gegenwart ist dauerpräsent: Elektronik & Gitarre reichern die Stücke an und das Repertoire vergreift sich neben Eigenkompositionen an Klassikern des zeitgenössischen Rock & Pop – weder Nirvana und Dawid Podsiadło noch Myslovitz oder Metallica sind vor ihnen sicher.

 
26 / 10.04.2020
HANIA RANI
Zwei Hände, ein Klavier – mehr braucht es nicht, um anspruchsvolle und gleichzeitig eingängige, emotionale, mitreißende und vor allem zeitlose Musik zu machen. Hania Rani wurde 1990 unter dem Namen Hanna Raniszewska in Gdańsk geboren, nach ihrem Musikstudium lebt und arbeitet sie abwechselnd in Warschau und Berlin. Für Aufmerksamkeit sorgte sie zuerst im Duett mit der Cellistin Dobrawa Czocher, mit der sie 2015 das Album „Biała flaga“ (Weiße Fahne) einspielte, sowie 2018 mit dem Zwei-Frauen-Projekt Tęskno auf dem Album „Mi“ (Mir). Schon dort verwischte sie die Grenzen zwischen klassischer und populärer Musik. Dieses Rezept verfeinerte sie auf ihrem ersten Soloalbum „Esja“, das 2019 mit träumerischen Soundcapes den Durchbruch brachte und diverse Auszeichnungen und Einladungen zu Konzerten in ganz Europa nach sich zog. Am 15. Mai soll bei Gondwana Records ihr neues Album „Home“ erscheinen.



 
27 / 11.04.2020
MONIKA BRODKA
Eigentlich ist es „nur“ Pop, was die Góralin Monika Brodka (geb. 1987 in Żywiec) seit knapp zwanzig Jahren auf den Bühnen Polens und zunehmend auch im Ausland fabriziert. Startschuss für ihre steile Karriere war der Sieg in der TV-Talent-Show „Idol“. Darauf folgten vier Alben, die mit Preisen nur so überschüttet wurden. Brodka ist das Gegenteil einer musikalischen Eintagsfliege. Ihre Songs sind zugänglich, aber nicht simpel, sie sind anspruchsvoll, aber nicht überfrachtet, sie klingen originell, aber nicht sperrig. Einen Teil ihrer Lieder schreibt sie selbst, nimmt aber auch immer wieder Cover auf und holt sich versierte Autor(inn)en mit ins Boot. Stilistisch ist sie dabei schwer zu fassen: Tanzbare Rhythmen treffen auf Elemente aus Pop, Rock und Folklore aus aller Welt, auch sprachlich pendelt sie zwischen und dem Polnischen dem Englischen mit französischen Einsprengseln. Einer Weltkarriere steht also nichts mehr im Wege – der erste Schritt ist mit dem Titelsong zum Netflix-Serienhit „Rojst“ getan.


 
28 / 12.04.2020
ATOM STRING QUARTET
Müssen Streichquartette immer nur die übliche Literatur für die klassische Kombination aus 2x Violine, 1x Bratsche und 1x Cello hoch- und runterspielen? Nein, dachte sich das Atom String Quartet (Dawid Lubowicz, Mateusz Smoczyński, Michał Zaborski & Krzysztof Lenczowski) im Jahr 2010 und versuchte einen ganz neuen Ansatz: als Streichquartett vorrangig improvisierte Musik zu spielen. Das bedeutet vor allem Jazz, aber ebenso Elemente aus Klassik, Neuer Musik, Roots und traditioneller Folklore. Damit setzte sich die Gruppe zwar stilistisch zwischen sämtliche Stühle, fand aber offensichtlich eine Marktlücke, denn mit diesem Programm touren die Herren pausenlos um die Welt und begeistern ein Publikum aller Altersklassen in Konzertsälen ebenso wie auf Jazzbühnen und Popfestivals. Diverse Alben dokumentieren sowohl das eigene kompositorische Schaffen als auch zahlreiche Projekte mit Musikern wie Leszek Możdżer, Dorota Miśkiewicz, Zakopower, Kayah oder Natalia Kukulska. Und irgendwann spielen sie sicher auch wieder irgendwo in eurer Nähe.
 


29 / 13.04.2020
BABOOSHKI
Der Name deutet es schon an – rein polnisch geht es bei Babooshki auf keinen Fall zu. Aber es handelt sich nicht um russische Omas (und auch nicht um eine Kate-Bush-Coverband), sondern um die wesentlich jüngeren Sängerinnen Dana Vynnytska (Ukraine) und Ewa Beimcik (Polen), die seit 2009 mit männlichen Mitstreitern einen frischen Mix aus musikalischen Kulturen zusammenrühren. Die ukrainischen und polnischen Einflüsse zeigen sich sowohl in der Sprache als auch in der Instrumentierung und den volkstümlichen Melodien, die sie vor dem Vergessen retten. Die „Omas“ pflegen aber nicht nur das musikalische Erbe der zwei slawischen Nachbarländer, sondern transportieren es in die Zukunft – in jazzigen Arrangements und mitreißenden Harmonien. Sehr gut lässt sich das auf ihrem originellen Weihnachts-Album „Kolędy i szczedriwki“ (2013) hören, das sich aus der unüberschaubaren Masse der Festtags-Veröffentlichungen heraushebt. Soeben erschien ihr aktuelles Album „Będziemy się krężyli“ (Wir werden uns drehen).
 

 
30 / 14.04.2020
MĘSKIE GRANIE ORKIESTRA
Męskie Granie (Männerspiel) ist genau genommen keine Band, sondern ein Slogan, unter dem seit zehn Jahren polnische Musiker eine Konzerttour durch das ganze Land unternehmen und gemeinsam neue Songs einspielen. Spannenderweise war der Ideengeber und Initiator dieser jährlichen Reihe … die polnische Biermarke Żywiec. Allerdings ist der Titel irreführend, denn natürlich sind auch immer wieder Frauen an dem Projekt beteiligt. Hinter dem Adjektiv „männlich“ verbirgt sich vielmehr – nicht ganz klischeefrei – der Akzent auf energiereiche, flotte, oft rockige Musik.



31 / 15.04.2020
THE DUMPLINGS
Würden The Dumplings nicht auf ein internationales Publikum schielen, hätten sie sich einfach „Pierogi“ genannt. Hinter diesem schmackhaften Namen verbirgt sich ein Duo aus Zabrze – Justyna Święs i Kuba Karaś – das 2011 beschloss, gemeinsam Musik zu machen. Anfangs schrieben die beiden vor allem akustische Stücke für Gitarre, dann schmuggelten sich zunehmend elektronische Klänge in ihre Kompositionen ein, ohne dass dabei Melodien und Atmosphäre verloren gegangen wären. Die Texte schreiben beide gemeinsam, und zwar sowohl auf Polnisch als auch auf Englisch. Kürzlich kündigten sie an, nach der (aktuell unterbrochenen) Tour die Band erst einmal auf Eis zu legen, um dann mit frisch aufgetankter Energie wieder zurückzukehren.



32 / 16.04.2020
PRO8L3M
PRO8L3M – das sind der Rapper Oskar und der DJ Steez83, beide Jahrgang 1983, worauf auch der Name des Duos dezent hinweist. Ihre Stücke sind vollgepackt mit futuristischen Elementen, die sich in den Synthie-Sounds ebenso finden wie in den Texten. Ihr thematisches Einzugsgebiet ist aber erheblich größer. Manche Tracks bauen auf Samples aus der polnischen Unterhaltungsmusik der Siebziger auf, andere erinnern eher an Filmmusik. Überraschend ist in diesem Kontext das Stück „Krzyk“ (Schrei, 2014), welches die Geschichte von Ryszard Siwiec aufgreift – einem ehemaligen Kämpfer der Heimatarmee im Zweiten Weltkrieg, der sich 1968 in einem prall gefüllten Warschauer Stadion selbst verbrannte, um gegen den Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei zu protestieren.
>> www.pro8l3m.pl



33 / 17.04.2020
SKAMPARARAS
Ska ist schon Mitte der Sechziger in Polen angekommen, spätestens seit den Achtzigerjahren eine große Nummer und scheinbar unsterblich. Da auch bei Konzerten dazu immer gern ausgelassen getanzt und gefeiert wird, wachsen immer wieder Bands nach, welche den Stil – gerne mit Reggae und einem Schuss Punk gemixt – pflegen und weiterentwickeln. Skampararas aus dem Kurort Jastrzębie Zdrój verbreiten beispielsweise schon seit 1997 auf den Konzertbühnen des Landes sowie auf mittlerweile fünf Tonträgern unermüdlich gute Laune. Auf ein spezielles Image verzichten sie dabei, ihnen geht es vor allem um Spaß an der Musik und jede Menge guter Laune. Und wenn sie schon partiell auf Englisch singen – warum nicht auch mal im Ausland?



34 / 18.04.2020
SIDNEY POLAK
Dass man auch als Schlagzeuger einer populären Band, der in der Regel in der zweiten Reihe steht, eine erfolgreiche Solokarriere starten kann, wissen wir spätestens seit Phil Collins. Genau das gleiche Kunststück gelang auch dem Warschauer Sidney Polak (geb. 1972), der eigentlich Jarosław Marek Polak heißt und seit den frühen Neunzigern für die Rock-Combo T.Love die Drumsticks schwang. Als der Band langsam die Puste ausging, stieg der Lockenkopf 2004 unter eigenem Namen ins Musikbusiness ein und landete mit der melancholischen Hinterhof-Ballade „Chomiczówka“ gleich einen Volltreffer. Seine Musik ist schwer in eine Schublade zu stecken, denn seine groovigen, eingängigen und tanzbaren Stücke bedienen sich in so unterschiedlichen Genres wie Rock, Hiphop, Reggae, Techno und Folk. Inzwischen stehen drei Soloalben von ihm in den Regalen.



35 / 19.04.2020
NEOKLEZ
Natürlich gibt es in dem Land, in dem der Klezmer seine natürliche Heimat hatte, wie Sand am Meer Kapellen, welche sich dieser musikalischen Tradition widmen. Aber wenige bemühen sich so wie NeoKlez aus Lublin darum, keine reine Denkmalpflege zu betreiben, sondern die jüdischen Musiktraditionen so ins 21. Jahrhundert zu transportieren, dass die ursprüngliche Atmosphäre erhalten bleibt und trotzdem alles so klingt, als sei es erst gestern komponiert worden. Vor allem live schaffen sie es mit Violine, Akkordeon, Kontrabass, Percussion und Elektronik sowie Einflüssen aus Jazz, Drum’n’Bass, Rock und Funk die Zuhörer von den Sitzen zu reißen, ohne beim Niveau auch nur die geringsten Abstriche zu machen. Im März erschien ihr aktuelles Album „Votum Separatum“, auf dem wiederholt diverse Gäste mit von der Partie sind.