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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Literatur

Martyna Bunda: Das Glück der kalten Jahre

12.03.2020 20:00

Die Autorin stellt ihr Romandebüt vor

Moderation: Bernhard Hartmann (Übersetzer) 

Programm „Leipzig liest polnische Literatur“ zur Leipziger Buchmesse

Eintritt: frei
 
Ort: Polnisches Institut, Markt 10,
04109 Leipzig

Ob ihr Mann das Meer gesehen hat, bevor er 1932 auf der Großbaustelle der Hafenstadt Gdynia (Gdingen) tödlich verunglückte, wird Rozela nie erfahren. Von der staatlichen Entschädigung baut sie für sich und die drei Töchter ein Steinhaus mit Doppelfenstern – im kaschubischen Dorf eine Sensation. Dort überstehen sie die Schrecken des Krieges. Doch als die sowjetische Armee gen Westen zieht, bietet das Haus keinen Schutz mehr. Im Keller versteckt, muss Gerta, die älteste Tochter, mit anhören, wie ihre Mutter von Soldaten vergewaltigt wird.
 
Aber die Maxime der Mutter lautete stets: Kopf oben behalten, egal was passiert. Dies beherzigen auch die Töchter, allen voran die leidenschaftliche, lebenshungrige Truda, Sachbearbeiterin im Schifffahrtsamt, deren Mann für Jahre im Gefängnis des Geheimdiensts verschwindet. Die Motorradfahrerin Ilda arbeitet in der Umsiedlungsbehörde und liiert sich spät mit einem Bildhauer, der ihr seine Ehe mit einer Deutschen verschweigt. Trotz gelegentlicher Ausbrüche, Zerwürfnisse und Trennungen sind Mutter und Töchter in entscheidenden Momenten füreinander da – vier starke Frauen, die in widrigen Zeiten wie Pech und Schwefel zusammenhalten.
 
Martyna Bunda beherrscht die Kunst, uns die Dinge mit den Augen der Figuren sehen zu lassen. In ihrem aufsehenerregenden Debüt gelingt es ihr, eine weibliche Familiensaga zu erzählen, deren Größe aus dem vermeintlich Kleinen und Alltäglichen erwächst. Naturgemäß kommt die Weltgeschichte nur in Nebensätzen vor, während das Wiedererwachen eingefrorener Gefühle in unvergesslichen Szenen festgehalten ist. 
 
„Die so entstandenen Szenen, Miniaturen fast, sind prallvoll mit Leben und schönen Details. Sie ziehen mitten hinein in eine fremde und doch vertraute Welt.“ (stern)
 
„Der Sog dieses Romans entsteht nicht aus der episodisch erzählten Handlung, sondern aus der Sprache. Der Übersetzer Bernhard Hartmann hat in seiner sorgfältigen und farbigen Übersetzung jeder Nuance nachgespürt.“ (Sieglinde Geisel, SRF)
 
„Wer so erzählen kann, muss eine Menge vom Leben verstehen.“ (Monika Melchert, Sächsische Zeitung)
 
Veranstalter: Polnisches Institut Berlin – Filiale Leipzig in Kooperation mit dem Buchinstitut Kraków und dem Suhrkamp Verlag
 
Info: www.leipziger-buchmesse.de, www.suhrkamp.de