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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Musik

Kinga Głyk Trio

18.10.2017 20:30

Mit tiefen Frequenzen zum Internet-Hit

41. Leipziger Jazztage: Gitarrengipfel (12.-21.10.2017)

Ort: nato, Karl-Liebknecht-Straße 46, 04275 Leipzig

Polen ist Rockland – das merkt man spätestens, wenn man mit dem Taxi fährt und im Radio weder Schlager noch seichtes Popgedudel, sondern amtlicher Rock mit ordentlich verzerrten Gitarren läuft. Was kein Wunder ist: Neben dem Jazz-Underground prägte die rockende Subkultur der siebziger und achtziger Jahre den Geschmack polnischer Hörer, was auch nach 1989 seine Spuren hinterließ. Und da Musikstile stets die Tendenz haben, sich gegenseitig zu inspirieren und zu durchdringen, kommen immer wieder jazzige Klänge über die Oder-Neiße-Linie geweht, die in der Instrumentierung eher an eine Rockband als an ein Klaviertrio erinnern. Improvisierende Bands wie Jazzpospolita oder Pink Freud stehen in ihren Bühnenshows ihren rockenden Gitarre-Schlagzeug-Bass-Vorbildern in nichts nach. 

Es ist also nur eine mittelgroße Überraschung, dass ein Mädchen namens Kinga Głyk mit zarten elf Jahren bei der Frage nach dem Instrument ihrer Träume selbstbewusst auf den E-Bass zeigte. Während die meisten Altersgenossen vor dem Radio auf dem Federballschläger die spektakulärsten Gitarrensoli nachspielten, übte Klein Kinga schon die großen Bass-Posen – und trainiert sie inzwischen bereits eine Dekade lang auf der Bühne. Das bereut sie zwar hin und wieder, wenn nach 90 Minuten Konzert der Rücken schmerzt, aber für ihre Spielfreude ist das kein Hindernis. 

An Spielpraxis mangelt es ihr sowieso nicht. Als Tochter der Drum-Ikone Irek Głyk spielte sie jahrelang live und im Studio im Familienunternehmen „Głyk PIK Trio“ mit Vater und Bruder, bis sie sich zum 18. Geburtstag ein besonderes Geschenk auf den Gabentisch legte: die erste eigene CD „Rejestracja“ (2015). Ein Jahr später kam das live eingespielte Album „Happy Birthday“ dazu. Ihr Vater ist immer noch dabei und bearbeitet das Schlagzeug, aber im „Kinga Głyk Trio“ gibt jetzt die Tochter den Ton an. Und die lässt im Handumdrehen vergessen, dass die schweren Saiten für Damen gar nicht so leicht zu spielen sind – im Gegenteil, die Formulierung „Bass spielen“ findet bei ihr wieder zu ihrer ursprünglichen Bedeutung. 

Nach ihrem persönlichen Stil befragt, stuft Kinga Głyk ihre Musik als „jazznah“ ein, es stecke vor allem jede Menge Blues mit drin. Hinzu kommen diverse Einflüsse von Vorbildern, denen in Coverversionen gehuldigt wird. Eine davon ist auch ihr bisher größter Hit – ihre Interpretation von Eric Claptons „Tears in Heaven“ riss auf YouTube und Facebook im Handumdrehen die 20-Millionen-Marke und verschaffte ihr u. a. einen Auftritt im „heute journal“. 

Dabei geht es ihr gar nicht darum, mit Fingerfertigkeit zu imponieren: „Man kann natürlich zeigen, dass man 260 Anschläge pro Minute schafft, aber das muss dann auch spielerisch Sinn ergeben.“ Diesen Sinn erkennen bei ihr auch die gestandenen Musiker, die sie bereits zur Zusammenarbeit einluden und sich dabei auch an Bob Dylan oder Czesław Niemen vergriffen. Die sind zwar vor allem durch ihren Gesang bekannt geworden – aber im Rockland Polen geht es auch problemlos ohne.

Besetzung: Kinga Głyk (b), Irek Głyk (dr) & N.N. (p)

In Kooperation mit dem Jazzclub Leipzig e.V.

Info: kingaglyk.plwww.jazzclub-leipzig.de