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Polnisches Institut Berlin

Es begann in Gdańsk

Literatur

Sylwia Chutnik

03.12.2019 19:00

Weibskram – Eine feministische Lesung

Moderation: Iris Bauer (Halle)

Veranstaltung auf Facebook

Ort: Literaturhaus, Bernburger Straße 8, 06108 Halle (Saale)

Im Rahmen der Ringvorlesung "Was Sie schon immer über Polen wissen wollten (oder sollten)"
 
Wenn man sich aufmerksam in der Stadt umsieht, begegnet man auf Schritt und Tritt Gedenktafeln, Blumen, Friedhofskerzen. Erschossen, umgekommen, ermordet, getötet. Nur "vergewaltigt" fehlt, daran denkt keiner.
 
Sylwia Chtunik füllt diese Lücke im polnischen kulturellen Gedächtnis seit ihrem Debutroman "Kieszonkowy Atlas Kobiet" (2008), der auf Deutsch 2012 übersetzt von Antje Ritter-Jasińska unter dem Titel "Weibskram" erschien. Als Schriftstellerin scheint Chutnik spezialisiert auf kulturelle Traumata: die Erzählungen der Narben des Krieges in der Stadt Warschau und an deren Bewohner(inne)n sind ein roter Faden, der sich durch viele ihrer literarischen Texte, wissenschaftlichen Arbeiten und ihr politisches Engagement zieht. 

Mit einem kritisch-analytischen Blick auf die polnische Gesellschaft und ihre Meistererzählungen verleiht Chutnik in ihren Texten denjenigen eine Stimme, die bisher marginalisiert oder überhört wurden – seien es jüdische Widerstandskämpferinnen, kleine rebellische Mädchen, behinderte Frauen oder Transsexuelle. Es geht dabei nicht nur um eine feministische Revolte, die als herstory den patriarchalen Diskurs korrigiert, gegen ihn rebelliert und negiert. Chutniks Feminismus steht vielmehr im Zeichen einer queeren, emanzipatorischen Gesellschaftskritik, der es um das Sprechen Subalterner sowie um das Sichtbarmachen der Intersektionalität von Diskriminierungen geht – Literatur gewordene Gender Studies mit emanzipatorischem Elan. 
 
Sylwia Chutnik (geboren 1979 in Warschau) lebt als Autorin, Publizistin und Aktivistin in Warschau. Sie ist promovierte Kulturwissenschaftlerin und Absolventin der Gender Studies an der Warschauer Universität und arbeitet als Gastdozentin an zahlreichen Universitäten in Polen. Für ihren Debütroman "Weibskram" (Kieszonkowy atlas kobiet) erhielt sie 2008 den Preis der Wochenzeitschrift Polityka  "Paszport Polityki". 2009 wurde sie für den renommierten polnischen Literaturpreis "NIKE" nominiert. Für ihre Literatur und ihr großes soziales Engagement wurde sie in Polen mehrfach ausgezeichnet, zuletzt 2018 mit dem Preis der Hauptstadt Warschau (Nagroda Stołecznego Miasta Warszawy) für ihre besonderen Verdienste für Warschau.
 
Veranstalter: Aleksander Brückner Zentrum für Polenstudien in Zusammenarbeit mit dem Literaturhaus Halle

Info: www.aleksander-brueckner-zentrum.org